Skeptische Notärztin trifft auf Hypnose

Veröffentlicht am Kategorisiert als Gesellschaft & Wirklichkeit, Grenzerfahrung, Hypnose, Persönliches, Rund um mein Business Keine Kommentare zu Skeptische Notärztin trifft auf Hypnose

Ich lag auf einer Matte, durch die Terrassentür fiel das Licht aus einem dieser wahnsinnig schönen Gärten herein — überall blühende Blumen, ein kleines Seminarhotel irgendwo außerhalb von Frankfurt. Und mitten in dieser Ruhe ging mir ein einziger, ziemlich unfeierlicher Gedanke durch den Kopf: Was ist denn nun mit meinem Knie los? Ist es überhaupt noch da?

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Ich bin Ärztin. Anästhesistin, Notärztin und Palliativmedizinerin. Jemand, der gelernt hat, dass Schmerz eine Ursache hat, die man findet und behandelt. Und ausgerechnet ich dachte in diesem Moment, ich käme gerade vom Glauben ab. Was in diesen Tagen passierte, hat mein Verständnis von Medizin nicht über den Haufen geworfen — aber es hat einen Aspekt sichtbar gemacht, der sich nicht ignorieren lässt.“


Kurzantwort: Der Wendepunkt kam während eines Hypnose-Kurses („BodyWisdom“ bei Markus Lehnert), in dem es um die Verbindung von Körper und Innenleben ging. Ich war als Schulmedizinerin zutiefst skeptisch — bis meine Knieschmerzen, die mich seit Wochen mit VAS 7–8 von 10 begleiteten, auf 1–2 sanken, als ich endlich loslassen und vertrauen konnte. 

Davor: eine Ärztin mit klarem, körperzentriertem Weltbild und einem Knie kurz vor dem Orthopäden-Termin. 

Danach: eine Ärztin, die weiß, dass Körper und Seele enger zusammenhängen, als das Studium je lehrte. Bis heute ist mein Knie mein zuverlässigster Indikator.

Wie mein Alltag vor diesem Kurs aussah

Ich arbeitete damals als Freelancerin in der Anästhesie in Biel, in der Westschweiz. Eigentlich war ich für die Tage gedacht, an denen Not am Mann war — zum einspringen, wenn es eng wird. Nur: Es war eigentlich immer eng. Das Spital war chronisch unterbesetzt, und so wurde aus den offiziell vereinbarten 60 %- Pensum über drei Jahre hinweg immer mehr. In jenem Sommer vor dem Kurs lag ich bei rund 90 % – Pensum.

Ich war als Anästhesistin für mehrere Säle gleichzeitig zuständig und huschte den ganzen Tag zwischen den OP-Sälen hin und her. Wer das kennt, weiß, was das für die Beine bedeutet: kilometerweit über harten Boden, in OP-Schuhen, die für vieles gemacht sind, aber sicher nicht dafür, ein gereiztes Knie zu schonen. Und damit nicht genug — nebenher versah ich Notarztdienste auf einem Bergrettungshelikopter. Dort trage ich die schweren Stiefel durchgehend, auch in den ruhigen Stunden, weil mir keine Zeit bleibt, sie anzuziehen und zu binden, wenn der Alarm geht. Wenn es losgeht, muss es sofort losgehen.

Mein Knie schmerzte von Tag zu Tag mehr. Erst nur unter Belastung, dann auch abends, schließlich sogar in Ruhe. Auf der Schmerzskala, mit der wir in der Medizin arbeiten, der VAS, lag ich bei 7 bis 8 von 10 — und das nicht nur beim Laufen, sondern auch, wenn ich einfach nur dasaß. Ich trug mich längst mit dem Gedanken, mich bei einem orthopädischen Kollegen vorzustellig zu machen. So weit war es gekommen: Die Ärztin, die anderen hilft, brauchte selbst eine Diagnose.

Dass Körper und Psyche zusammenhängen, hatte ich nie bestritten — psychosomatische Zusammenhänge stehen ja durchaus in den Büchern und ist eine eigene Fachrichtung. Aber es gab eine Grenze in meinem Kopf, hinter der für mich die Esoterik begann. Sätze wie „die Seele meldet sich über den Körper“ gehörten für mich klar hinter diese Grenze. 

Höflich nicken, innerlich abwinken. So bin ich auch in diese Kurstage gegangen — mit einem Knie, das mich bei jedem Schritt daran erinnerte, dass es da war.

Was ist BodyWisdom?

Der Kurs trug den Namen „BodyWisdom“ — ein geschützter Begriff von Markus Lehnert. Es ging dort um Hypnose in einem weiten Sinn: zum einen um die spirituelle, innere Arbeit, zum anderen aber ganz konkret auch um Hypnose zur Anästhesie. Letzteres war übrigens der Grund, weshalb ich als Anästhesistin überhaupt neugierig genug war hinzufahren — der fachliche Anker, an dem ich mich festhalten konnte, während der Rest mir noch suspekt war.

Das Setting war denkbar einfach. Im Raum lagen Matten; wer hypnotisiert wurde, lag darauf, der andere saß daneben auf dem Boden. Wir wechselten immer wieder die Rollen — mal die, die führt, mal die, die sich führen lässt. In der kleinen Gruppe in Frankfurt waren wir nur zu viert. 

Am Anfang des Kurses bewegte ich mich kaum von meinem Platz weg. Schlicht, weil es meinem Knie guttat, einfach mal nichts tun zu müssen. Zum ersten Mal seit Monaten musste ich nirgendwo hin huschen, keinen Saal versorgen, keinen Alarm erwarten. Ich durfte sitzen. Liegen. Sein.

Der Moment, in dem ich merkte: Der Schmerz ist weg

Es war am Morgen des dritten Tages, als mir etwas auffiel. Oder besser: als mir etwas nicht mehr auffiel. Mein Knie — ich hatte es schon eine ganze Weile gar nicht mehr gespürt. Beim Laufen vielleicht noch ein kleines bisschen, aber dieser ständige, ziehende Begleiter, der mich seit Wochen nicht mehr verlassen hatte, war einfach nicht mehr da.

Und genau da kam dieser Gedanke, ziemlich unfeierlich: Was ist denn nun mit meinem Knie los? Ist es überhaupt noch da? Ich tastete heimlich danach — und fand schon mein physisches Knie, aber eben kaum Schmerz. Wo vorher die 7 bis 8 gewesen waren, lag ich jetzt bei 1 bis 2. Ich, die Skeptikerin, dachte ernsthaft, ich käme gerade vom Glauben ab.

Tatsächlich war mir im Kurs gesagt worden, ich solle einfach mal loslassen und vertrauen — dann würde auch mein Knie nicht mehr schmerzen. Und an diesem Wochenende hatte ich tatsächlich zum ersten Mal seit langem nichts kontrolliert. Ich hatte einfach wirken lassen. Ich hatte mir in der Hypnose erlaubt, meine Emotionen hochkommen zu lassen — sogar dann, wenn ich gerade gar nicht „dran“ war, sondern nur beobachtend daneben saß. Ich fühlte mich in dieser kleinen Gemeinschaft so wohl, dass ich die Kontrolle, die sonst mein ständiger Begleiter war, einfach abgelegt hatte, ohne es zu merken.

Es war kein langsames Nachlassen. Es war ein Davor und ein Danach. Und dieselbe Erfahrung wiederholte sich später im Vertiefungskurs im schweizerischen Scuol, mitten im Winter, als wir zu zehnt tagelang eingeschneit waren — diese fast unwirkliche Abgeschiedenheit, in der man gar nicht anders kann, als bei sich anzukommen.

Was danach kam

Das Verblüffendste: Es blieb. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her, und mein Knie hat sich seitdem nicht mehr gemeldet wie damals. Der Termin beim Orthopäden? Hat sich erübrigt.

Aber es hat etwas viel Spannenderes getan — es ist mein Indikator geworden. Bis heute. Wenn ich wieder in den alten Modus verfalle, in dem ich alles anzweifle, alles kontrollieren will, jeden Menschen und jede Situation prüfe — dann meldet sich mein Knie. Und wenn ich im Vertrauen bin, freundlich mit mir und meiner Umwelt umgehe, ist es still. Mein Körper führt Buch über meine innere Haltung, präziser als jede Selbstbeobachtung im Kopf.

Ich habe nicht über Nacht mein medizinisches Weltbild ausgetauscht — das wäre unredlich, und so funktioniert seriöse Medizin auch nicht. Aber ich konnte das Erlebte nicht mehr wegerklären. Für mich formuliere ich es heute so: Nicht „die Seele macht die Krankheit“ — dieser Satz schiebt kranken Menschen Schuld zu, und das lehne ich entschieden ab. Sondern: Körper und inneres (Er-)leben sind enger verwoben, als mein Studium je zuließ. Und manchmal findet das, was nicht gehört wird, einen Weg, sich bemerkbar zu machen.

Wie diese Erfahrung heute meine Arbeit prägt

Wenn ich heute mit Frauen arbeite, die nach einer medizinischen Grenzerfahrung oder in tiefer Erschöpfung zu mir kommen, hilft mir genau diese eigene Erfahrung. Viele kennen den Satz ‚organisch ist alles in Ordnung‘ — ich weiß, wie sich das anfühlt.

Genau hier hilft mir mein Knie. Ich kann diesen Frauen ehrlich sagen: Ich habe selbst nicht daran geglaubt. Ich bin keine, die das aus einem Lehrbuch nacherzählt — ich habe es gespürt, gegen meinen eigenen, ärztlich geschulten Widerstand, gemessen auf derselben Skala, mit der ich sonst den Schmerz meiner Patienten einschätze. Diese Erfahrung hat mich nicht zur ungenaueren Ärztin gemacht, sondern zu einer, die eine Möglichkeit mehr in Betracht zieht — auch dann, wenn die organische Diagnostik nichts hergibt.

Und ich erkenne die Frau von damals in vielen anderen Frauen wieder, die, die zwischen den Sälen huscht, die Stiefel nicht auszieht, weil keine Zeit ist. Die, die ihr eigenes Warnsignal so lange überhört, bis der Körper lauter wird. Ihnen kann ich sagen: Ich weiß, wie das ist. Und ich weiß auch, dass es anders gehen kann.

Würde ich diese Tage wieder durchlaufen, mit aller Skepsis, im eingeschneiten Scuol und im blühenden Garten bei Frankfurt? Sofort. Und mein Knie würde mir dabei zusehen — und mich informieren, ob ich es mir damit ernst ist.


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