Der März war kein Monat der großen Ereignisse.
Nicht wie im Februar, da alles gleichzeitig Fahrt aufgenommen hat. Eher im Gegenteil. Im März manches still, manches hat nur zögerlich Form angenommen und gleichzeitig war mein eigener Frust doch recht hoch, so dass ich mich selber zur Raison rufen musste, um nicht alles “einfach” aufzugeben.
Gleichzeitig war nicht nichts im März.
Neben genügend Unruheherden hatte er auch seine schönen Momente. Ausflüge mit meinen Töchtern, einen Abend als Teil einer Jury, einen kleinen Hund auf Zeit, einen etwas aufgescheuchten Haustier-Zoo, blogtechnisch eher ein magerer Monat und nebenher eine Renewing-Begeisterung für True Crime.
Am treffendsten beschreibe ich den März als Monat aus Einzelmomenten.
Ein sonniger Tag in Straßburg. Ein Bühnenkrimi. Zwei Töchter an meiner Seite. Ein Text, der erst zu eng war und dann doch in zwei Texte zerfiel. Das Gefühl, dass Kritik gerade schneller trifft als sonst. Ein kleiner Hund, der sich bei uns überraschend wohlfühlte, während unsere eigene tierische Hausgemeinschaft das eher anders sah. Und dazwischen Schritte, Bücher, Gedanken, Pläne für April und ein Claim, der vielleicht genauer sagt, worum es in meinem Schreiben inzwischen wirklich geht.
Mein Spruch des Monats
Frühling ist dann, wenn die Seele wieder bunt denkt.
Ich mag diesen Satz, weil er impliziert, dass es zwar nicht sofort leichter wird, sobald es draußen heller ist, aber, dass es definitiv Veränderungen gibt. Weder direkt sichtbar, und schon gar nicht mit Knall, und nicht als sofortige Verwandlung. Aber die innere Farbskala wird wieder farbiger.
Mein Krafttier im März: der Wolf
Aufgrund des Sternzeichens wird das Monatskrafttier ermittelt. Der Wolf steht für seelisch-geistige Kraft, für Selbstreflexion und für den Mut, dem Ruf der eigenen Seele nicht länger auszuweichen. Er erinnert daran, dass echte Veränderung oft dort beginnt, wo man die eigenen Muster und Überzeugungen nicht mehr bloß mitträgt, sondern bewusst in Frage stellt.
Zugleich ist der Wolf ein Bild für eine klare Führung. Er steht für die Fähigkeit, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Dinge auszusprechen, die gesagt werden müssen. Freundliche Schonung oder Schmeichelei helfen selten weiter. Manchmal brauchen Absichten, Visionen und nächste Schritte klare Worte – auch dann, wenn sie nicht überall auf Zustimmung stoßen.
Vielleicht war genau das eine der stillen Linien dieses Monats: dass nicht alles, was zunächst unbequem ist, falsch sein muss. Manches wirkt erst sperrig und erweist sich später gerade deshalb als richtig.

Wir Schmidt-Mädels unterwegs
Zu den schönsten Dingen im März gehörten eindeutig zwei Unternehmungen mit meinen Töchtern.
Zum einen waren wir zusammen mit einer guten Bekannten bei einem Krimispiel: „Die Jury“. Und ich muss sagen: Das war eine sehr gute Mischung aus Unterhaltung, Mitdenken und genau dem kleinen Reiz, den es ausmacht, wenn man als Zuschauer nicht nur konsumiert, sondern beteiligt ist. Wir saßen also nicht einfach da und ließen uns eine Geschichte vorspielen, sondern mussten selbst überlegen, diskutieren und gewissermaßen mitentscheiden, wen der Verdächtigen wir und warum verurteilen würden.
Mich interessiert an solchen Formaten weniger der Showeffekt als das, was sie offenlegen: wie Menschen urteilen. Nach welchem Eindruck, nach welcher Plausibilität, nach welcher inneren Gewichtung von Verhalten, Widersprüchen, Motiven und letztlich auch nach äußeren Erscheinungsbild. Wer wirkt glaubwürdig, wer nicht? Was halten wir für logisch? Und an welchem Punkt wird aus Vermutung Überzeugung?
Natürlich bleibt so ein Abend ein Spiel. Aber er spielt mit etwas, das im Alltag durchaus real ist: Wir ordnen Menschen und Situationen sehr schnell ein. Wir interpretieren, wir schließen aus und ein, wir urteilen. Nicht immer bewusst aber doch unmissverständlich. Vielleicht hat mir der Abend auch deshalb gefallen, weil er dieses Urteilen einmal sichtbar gemacht hat.
Und dann war da noch ein ganz anderer Tag: ein sonniger Frühlingstag in Straßburg mit meinen beiden Töchtern.
Wir waren bummeln, shoppen, fotografieren und einfach unterwegs. Kein großes Kulturprogramm, keine Mission, keine Liste, die abgehakt werden musste. Einfach ein Tag in der Stadt, mit Licht, Laufen, Schauen und diesem eigenen Rhythmus, den solche Tage manchmal haben, wenn sie gelingen. Man redet, schweigt, bleibt irgendwo hängen, geht weiter, sieht Dinge, lacht über Kleinigkeiten, isst etwas, fotografiert etwas, das vielleicht völlig nebensächlich ist, und erinnert sich später doch daran.
Solche Tage wirken von außen oft unspektakulär. Aber sie sind es nicht. Jedenfalls nicht für mich. Sie haben etwas sehr Eigenes, weil sie keine Rechtfertigung brauchen. Man muss an solchen Tagen nichts leisten, darf einfach sein.


Bloggen im März: mit wenig Elan
Blogtechnisch war der März ein eher magerer Monat.
Ich habe vier Blogartikel geschrieben. Das ist nicht nichts, aber es ist auch deutlich weniger, als ich in anderen Phasen schreibe oder zumindest schreiben möchte. Ich habe das gemerkt. Nicht nur in der Statistik, sondern auch in der inneren Haltung dazu. Der März hatte beim Schreiben etwas von angezogener Handbremse. Ich kam nicht wirklich in den Flow.
Ein Text zum Weltfrauentag war dabei ursprünglich so angelegt, dass zwei wichtige Themen in einem einzigen Artikel zusammengedrängt waren. Beim Korrektur lesen wurde aber sehr deutlich, dass der Text dadurch enger als besser wurde, und ja beide Themen waren wichtig am Weltfrauentag, aber keines kam so rüber, dass auch nur eines gewürdigt gewesen wäre. Also habe ich ihn eine Woche nach dem 8.März aufgeteilt. Aus einem Artikel wurden zwei. Und das war definitiv die richtige Entscheidung.
Was ich im März außerdem ziemlich deutlich gemerkt habe: Kritik, selbst gut gemeinte, tut mir gerade nicht gut, scheine gerade dünnhäutiger als sonst. Kritik trifft schneller. Sie verwandelt sich nicht automatisch in sachliche Verbesserung oder in diesen souveränen inneren Kommentar, der sagt: gut, nehme ich mit, schaue ich mir an, prüfe ich, arbeite weiter.
Ich halte nichts davon, jede Empfindlichkeit gleich zu psychologisieren oder ihr sofort eine große Bedeutung zu geben. Aber ich finde schon, dass man sie zur Kenntnis nehmen sollte. Es hat wenig Sinn, so zu tun, als sei man unangreifbar, wenn man es gerade nicht ist.
Ein kleiner Hund zu Besuch und ein deutlich aufgescheuchter Haushalt
Am letzten Märzwochenende hatten wir einen kleinen Hund zur Betreuung bei uns.
Der kleine Gast machte auf mich einen ziemlich zufriedenen Eindruck. Sie, Daisy, schien sich wohlzufühlen, fand sich erstaunlich gut zurecht und wirkte nicht so, als hätte sie die neue Umgebung sonderlich verunsichert. Das ist ja schon einmal was.
Ganz anders verhielt es sich allerdings mit unserer Stammbesetzung.
Unsere Hundedame und die Katzenbrüder waren deutlich aufgescheucht. Nicht panisch, aber alarmiert und wachsam. In ihrem gewohnten System war plötzlich ein zusätzliches Wesen unterwegs, und das reichte offenbar aus, um die gesamte Hausordnung innerlich neu zu verhandeln.
Das ist schon interessant zu beobachten. Wie empfindlich die Balance eines Haushalts sein kann, wenn Tiere darin leben. Wie schnell Nähe, Distanz, Territorium, Wege und Blicke neu codiert werden. Was normalerweise selbstverständlich läuft, bekommt plötzlich Reibung. Ein weiterer Hund ist eben nicht einfach „auch noch da“, sondern verändert die Atmosphäre.
Am Ende hatte ich den Eindruck, dass der Besuchshund mit der Situation sehr gut zurechtkam. Ob unsere Hundedame und die Katzenbrüder das genauso sehen, steht auf einem anderen Blatt.



Zahlen des Monats
Im März bin ich 130.885 Schritte gelaufen. Das entspricht 81 Kilometern.
Ich mag solche Zahlen nicht, weil sie irgendeinen Optimierungszauber hätten, sondern weil sie manchmal sichtbar machen, dass eine Zeit eben doch auch Substanz hatte, selbst, wenn sie sich eher zäh anfühlte. Schritte sind in dieser Hinsicht unerquicklich ehrlich.
81 Kilometer bedeuten: Ich war unterwegs. Nicht enorm viel, und weit entfernt von sportlich, aber eben auch nicht nichts. Zu Fuß. Durch Tage, die vielleicht nicht groß waren, aber eben gleichmäßig Schritt für Schritt begangen wurden.
Gelesen im März
Ich habe im März vier Bücher gelesen:
- Die Professorin, Band 2
- Der Prozess
- E-Mail-Marketing Step by Step
- Die Psychologie des Überzeugens
Diese Zusammenstellung ist nicht besonders elegant, aber sie ist ziemlich typisch für mich: Literatur neben Sachbuch, Klassiker neben Marketing, Psychologie neben allem anderen. Ich lese selten nur in eine Richtung. Meistens so, dass sich verschiedene Denk- und Sprachräume nebeneinander auftun. Wie ich bei Judith Peters gelesen habe, ist das halt so bei Scannerpersönlichkeiten – immer 100 Ideen gleichzeitig und nochmal 50 andere Interessen und das spiegelt sich auch in meiner favorisierten Literatur. Aber seit ich den Artikel gelesen habe, weiss ich, dass mit mir dennoch alles in Ordnung ist, ich nur mehr Input brauche (danke Judith 🙂).
“Re-Newing” Sucht des Monats: True Crime 187
Nebenher habe ich im März offenbar eine Gewohnheit wieder entdeckt, die man mit leichter Übertreibung auch Sucht nennen könnte: den Podcast True Crime 187 mit Dr. Alexander Stevens und Jacqueline Belle.
Mich interessiert an True Crime nicht in erster Linie der Thrill. Auch nicht das Schaudern um des Schauderns willen. Mich interessiert die Rekonstruktion. Der Fall. Die Motivlage. Die psychologische, juristische oder menschliche Struktur dessen, was geschehen ist. Vielleicht auch die Frage, was man im Nachhinein überhaupt verstehen kann und was nicht.
Dass ausgerechnet im selben Monat ein Krimispiel zu meinen schönen Erlebnissen gehörte, ist vermutlich kein Zufall. Offenbar hatte der März mehr mit Indizien, Urteilskraft, Beobachtung und Motivforschung zu tun, als ich anfangs dachte.
Claim your blog
Im März habe ich außerdem beim TCS (The Content Society) -Event Claim your blog mitgemacht.
Herausgekommen ist dabei mein Claim:
Give the Unseen a Voice
Dazu kommt meine Dreierkombination:
medizinische Grenzerfahrung. Aufklärung. Bibliotherapie
Bis dato habe ich jedoch noch nicht geschafft, es auf meine Blogseite einzufügen. Manchmal gibt es zu wenig Tag.
Als passionierte Notärztin der Lüfte, komme ich mit medizinischer Grenzerfahrung doch noch häufig in Berührung. Es handelt sich um eine Erfahrung von Menschen, die etwas erlebt haben, das medizinisch, körperlich oder existenziell über das hinausgeht, was leicht einzuordnen ist. Aufklärung gehört dazu, weil Sprache, Verständnis und Einordnung nicht nebensächlich sind, sondern wirklich entlasten können. Und Bibliotherapie gehört dazu, weil Texte manchmal etwas zugänglich machen, wofür es im eigenen Erleben zunächst keine Sprache gibt.
Was ich im März gebloggt habe
- Was ist Palliativmedizin – und was ist es nicht?
- Ist “frau” nur jemand, weil sie die Frau von…ist?
- Weltfrauentag im Kongo
- Die verstörende Veränderung kurz vor dem Tod



Was ich aus dem März mitnehme
Der März war kein Monat der großen Durchbrüche. Aber auch kein leerer Monat.
Ich hatte einen guten Abend mit meinen Töchtern und einer Frau, die mehr und mehr zur Freundin wird. Wir hatten einen hellen Tag in Straßburg. Ich schrieb weniger Blogartikel als gedacht. Der März beinhaltete auch die Einsicht, dass mir Kritik gerade nicht besonders guttut. Eine kleine Hundedame war zu Besuch und hinterließ einen ziemlich aufgescheuchten Haustierzoo. Der März brachte 130.885 Schritte, vier Bücher, einen True-Crime-Podcast und einen Claim, der auf den Punkt bringt, was ich gerne sein möchte, ein Sprachrohr für Frauen, die womöglich nicht für sich selbst sprechen/einstehen können
Vielleicht muss ein Monat gar nicht mehr leisten als das: einige Dinge sichtbar machen, ohne sie gleich zu vollenden.
Mein Ausblick auf den April
Im April möchte ich vor allem eines: meinen Newsletter WochenEndMomentum endlich regelmäßig aufsetzen und vorher das für mich einfachste Tool dazu finden (apropos, auch mit Newslettertools habe ich mich im März beschäftigt).
Außerdem mache ich bei Double Your List von TCS mit und fahre zum Barcamp von The Content Society im Kloster Horb. Darauf freue ich mich sehr. Nicht nur wegen der Inhalte, sondern vor allem auf den Austausch mit den anderen Mitgliedern der Society und ehrlich gesagt auch darauf, Judith persönlich kennenzulernen.
Für den April wünsche ich mir blogtechnisch wieder etwas mehr Klarheit und Ruhe, weniger Chaos von aussen. Im eigenen Blick auf das, was ich eigentlich sagen will.
Das wäre für einen April schon ziemlich viel.

