Es ist gar kein übler Monat, dieser Februar, man muss ihn nur zu nehmen wissen.
Wilhelm Raabe
Dieser Satz passt ziemlich gut zu meinem Februar 2026.
Denn dieser Monat war gefühlt noch kürzer als gewöhnlich, er war dicht und konnte nur fokussiert bewältigt werden. Es war kein Monat, der sich gemütlich entfaltet hat. Eher ein Monat, der sofort zur Sache kam. Dieser Februar ließ keine Umwege zu. Es ist erstaunlich, was man alles hinbekommt, wenn es nicht anders geht, und es fällt einem erst auf, wenn man es rückblickend betrachtet: straff und vollgepackt mit Lernstoff, Prüfung, Lawineneinsätzen, Bewegung, Schreiben und Entscheidungen. Ein unbequemer, geradezu hektischer Monat, kein “netter” Winterabschnitt, sondern einer, der Tempo verlangte und letztlich man mehr untergebracht hat, als es in manchem deutlich längeren Monat gelingt.
Im Februar stand alles unter dem Zeichen der Palliativmedizin
Wenn ich meinen Februar auf einen Schwerpunkt reduzieren müsste, wäre es eindeutig dieser: Palliativmedizin lernen, um die Prüfung zu bestehen.
Die Prüfung war am 19.02.2026, und im Grunde lief zu Beginn innerlich fast alles auf dieses Datum zu. Die Vorbereitung verlangte intensives und kein beiläufiges Lernen, nicht „ich schaue da auch mal rein“, sondern mit klarem Fokus. Am Morgen der Prüfung (sie fand nachmittags statt), war ich mir nicht mehr sicher, ob ich die Morphin-Umrechnung im Allgemeinen verstanden hatte und im Speziellen bezogen auf die Schmerzpumpen. Das machte mich so nervös, dass an einem nebligen, nasskalten Februarmorgen unser armes Hündchen mit mir 2.5 Stunden über die Felder laufen musste, bis mein Kopf verstehen wollte, wie die Schmerzpumpen zu handhaben seien. Mittlerweile war die Hundedame dem Erfrieren nahe.
Palliativmedizin ist wie Notfallmedizin für mich kein Fach, das sich bloß auswendig lernen lässt. Es fordert medizinisches Wissen, ethische Differenzierung, sprachliche Genauigkeit und vor allem die Fähigkeit, das theoretisch Gelernte in Situationen zu bringen, in denen es nicht immer die eine einfache Antwort gibt.
Vielleicht hat mich gerade das im Februar so beschäftigt. Palliativmedizin verlangt nicht nur Kenntnis, sondern Haltung. Es geht um Symptomkontrolle, Kommunikation, Entscheidungen an Grenzen und um die Frage, was gute Medizin bedeutet, wenn Heilung nicht mehr das Ziel ist.
Kurz gesagt: Mein Februar bestand aus intensivem Lernen, Spannung und dem Versuch, kurz vor der Prüfung keine Denkfehler bei Morphin und Schmerzpumpen zu produzieren.

.Draußen war ich trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb
Weil man einen Monat wie diesen nicht nur am Schreibtisch verbringen kann, musste ich raus. In den Schnee, in die Berge, in die Bewegung.
Ich war mit meiner bergliebenden Freundin Langlaufen, und zwar zum ersten Mal in der klassischen Technik. Was ich dabei gelernt habe: Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen „gut Alpinski fahren können“ und „beim klassischen Langlauf halbwegs elegant einen Hang hinunterkommen“.
Bis zum Schluss habe ich nämlich nicht wirklich verstanden, wie man beim Abfahren zuverlässig das Gleichgewicht hält. Wirklich nicht. Und das, obwohl ich mich auf Alpinskiern ziemlich sicher fühle. Offenbar hilft einem vorhandenes Können nicht in jeder Disziplin weiter. Auch das ist eine Form von Erkenntnis.
Außerdem war ich einen ganzen Tag im hochalpinen Gelände in Melchsee-Frutt zum Schneeschuhlaufen unterwegs – bei gefühlt 40 Grad. Natürlich nicht real, aber subjektiv absolut. Die Wintersonne in den Bergen hat manchmal diese irritierende Art, gleichzeitig Schnee unter die Füße und Hochsommer ins Gesicht zu liefern. Am Ende sah ich aus, als ob ich mehrere Tage Auszeit gehabt habe.
Ich mag solche Tage sehr. Sie holen mich aus dem Kopf zurück in den Körper, insbesondere, wenn mein einziger Gedanke beim Bergauf laufen ist: “Ich überlebe dies auf keinen Fall. Demnächst falle ich einfach um.” Nichts ist einfach und dennoch gehts immer weiter: Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, Hang, Licht, Schnee. Kein Techniktool, keine Prüfung, kein Planungschaos – nur Bewegung und Gegenwart und freier Kopf.
Mein Februarkrafttier war das Pferd – und das war erstaunlich passend
Mein Februar Krafttier war das Pferd.
Was fast zu schön passt, weil am 17. Februar das chinesische Jahr des Feuerpferdes angebrochen ist. Aber noch stimmiger wurde es für mich durch das, wofür das Pferd in diesem Monat für das Sternzeichen des Schützen stand.
Es hatte für mich nämlich nicht einfach nur „Kraft“ oder „Bewegung“ parat, sondern sehr konkrete Gedanken:
- Lektionen führen in die Freiheit.
- Eine lehrreiche Phase des Lebens.
- Eine Entscheidung steht an.
- Ein Stück des Weges alleine gehen, um bei sich selbst anzukommen.
- Eigenverantwortlich das Leben gestalten.
Und ich muss sagen: Das trifft meinen Februar ziemlich genau.
Es war ein lehrreicher Monat. Nicht nur wegen der Prüfung, sondern auch wegen all der kleineren und größeren Klärungen, die parallel passiert sind. Dinge, die sich nicht laut angekündigt haben, aber trotzdem da waren. Der Eindruck, dass bestimmte Entscheidungen näher rücken. Dass manches nicht mehr ewig in der Schwebe bleibt. Dass man einen Teil des Weges tatsächlich selbst gehen muss, um wirklich bei sich selbst anzukommen.
Im Februar war da das Pferd, und es passte genau. Der Monat war lehrreich, fordernd und in Bewegung; zugleich lag in vielem schon die Frage, wie sich das Eigene klarer und eigenverantwortlicher gestalten lässt.
Der Februar in Zahlen
Ich mag Monatszahlen, weil sie einem manchmal schwarz auf weiß zeigen, dass doch einiges geschehen ist – selbst in Monaten, die sich zwischendurch nur nach Lernen, Funktionieren und Durchhalten anfühlen.
Mein Februar sah so aus:
- 173.205 Schritte
- 107,37 Kilometer
- 6 veröffentlichte Blogartikel
- 4 gelesene Bücher
- 2 Lawineneinsätze
Und ja, dafür, dass Februar der kürzeste Monat des Jahres ist, finde ich das durchaus beachtlich.
Gerade die zwei Lawineneinsätze erinnern mich daran, dass ein Monat sich nicht nur in Kalendern und To-do-Listen vollzieht. Manches kommt von außen dazu, ungeplant, konkret und ziemlich real. Und genau das war dieser Februar auch: nicht nur Lernmonat, sondern ein Monat mit sehr viel Dichte.



Ich habe endlich Digistore24 verstanden – und gleichzeitig seine Grenze erkannt
Ein eigenes Kapitel verdient im Februar auch Digistore24.
Ich habe es endlich verstanden. Also wirklich verstanden. Das allein war schon fast ein kleines Erfolgserlebnis, wenn nicht gar ein Wunder, wenn man bedenkt, wie schwer ich mich zuweilen mit technischen IT Tolls tue. Denn technische Plattformen haben ja manchmal die charmante Angewohnheit, genau dann unverständlich zu bleiben, wenn man sie eigentlich dringend durchdringen müsste.
Die Pointe war nur: Kaum hatte ich Digistore24 verstanden, verstand ich auch, dass ich es für Therapieangebote nicht nutzen kann. Quelle dommage (wie schade).
Auch das war auf seine Weise sehr Februar. Erkenntnisgewinn, aber nicht in der Form, dass es am Ende Konfetti regnet. Sondern eher in der Form: “Aha. Gut. Dann weiss ich das jetzt auch:”.
Und ganz ehrlich: Auch das ist Fortschritt. Vielleicht sogar die wichtigere Sorte. Nicht jeder Entwicklungsschritt besteht darin, dass etwas funktioniert. Manchmal besteht er darin, dass man endlich klar erkennt, was nicht passt und schon gar nicht so funktioniert, wie “frau” sich dies in ihrer Naivität ausgemalt hatte.
Sechs Blogartikel trotz Prüfungsmonat
Worüber ich mich wirklich freue: Ich habe im Februar sechs Blogartikel veröffentlicht:
So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten
Was ist medizinische Grenzerfahrung?
10 Mythen – 10 Wahrheiten über “sterben lassen”
„Ich will nicht mehr“: 8 Gedanken, was Menschen am Lebensende wirklich meinen
Davon sind die letzten 4 ein Teil vom TheContenSociety Event: 10 Blogartikel in 10 Tagen, was natürlich vor der Palliativprüfung nicht wirklich gelingen konnte
Aber ein wenig bin ich doch stolz auf mich selbst: In einem Monat, der in meinem Kopf eigentlich stark von Palliativmedizin besetzt war, ist das für mich alles andere als selbstverständlich. Umso mehr freut es mich, dass das Schreiben trotzdem seinen Platz hatte.
Denn Bloggen ist für mich nicht nur Output. Es ist auch Klärung. Beim Schreiben ordnen sich meine Gedanken, Themen bekommen Form, Fragen klären sich. Vielleicht ist genau das der Grund, warum es selbst in intensiven Monaten nicht einfach verschwindet.
Sechs Artikel in einem Prüfungsmonat fühlen sich deshalb für mich nicht nach „auch noch geschafft“ an, sondern eher nach: Das Schreiben wird langsam zu einem echten Rhythmus.

Vier Bücher gelesen
Außerdem habe ich vier Bücher gelesen
Das klingt vielleicht unspektakulär, ist es für mich aber nicht. Lesen ist für mich kein dekorativer Luxus, sondern ein zweiter Denkraum. Einer, der anders funktioniert als Fachliteratur, freier, offener, manchmal auch tröstlicher. Gerade in einem Monat, der so stark auf eine Prüfung hin ausgerichtet war, war es gut, diesen anderen Raum nicht ganz zu verlieren.
Was von diesem Februar bleibt
Wenn ich auf diesen Monat zurückblicke, denke ich vor allem: Er war kurz, aber keineswegs unbedeutend.
Er war geprägt vom Lernen für die Palliativmedizin-Prüfung.
Er hatte Langlauf, Schneeschuhe, Berge und Wintersonne.
Er beinhaltete zwei Lawineneinsätze, viele Schritte, Bücher und Blogartikel.
war u.a. geprägt durch technische Erkenntnisse, die unbequem, aber nützlich waren.
Und er hatte mit dem Pferd ein Krafttier, das erstaunlich präzise benennen konnte, worum es innerlich ging.
Vielleicht ist das die treffendste Zusammenfassung:
Der Februar war kein gemütlicher Monat.
Aber ein lehrreicher.
Ein Bewegter.
Und wirklich gar kein übler.
Was ich mitnehme in den März
Ich nehme aus diesem Februar vor allem mit, dass Lektionen tatsächlich in die Freiheit führen können. Dass intensive Phasen nicht nur anstrengend sind, sondern auch klärend und letztlich befriedigend. Dass Bewegung im Außen manchmal hilft, innere Dinge besser zu sortieren. Und dass man manche Stücke des Weges eben selbst gehen muss.Nicht gegen die Welt.
Sondern um bei sich selbst anzukommen.

